Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 5)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 5)
1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).〈a〉. Zu〈b〉 Flötenspiel (nach „das Erbe“)〈c〉.
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.
2 Meine Worte höre (erhöre mich)〈d〉, JHWH!
Mein König und mein Gott: {Oh}〈g〉zu dir werde ich (will ich) rufen.
- 4 JHWH〈h〉: (Schon) Am Morgen (jeden Morgen)〈i〉 wirst (sollst, höre!〈j〉) du meine Stimme hören,
- (Schon) Am Morgen (jeden Morgen)〈i〉 werde ich zu dir beten (dir [Opfer/Gebete] bereiten, mich bereit machen für dich)〈k〉 und [auf dich]〈l〉 warten〈m〉.
5 {Denn}〈n〉 Du [bist] kein Gott (ein Nicht-Gott?〈o〉), dem Böse (Böses)〈p〉 gefallen (der Böses will);
- 7 Du wirst vernichten Lügner〈v〉
- Gewaltverbrecher〈w〉 und Betrüger〈x〉 verabscheut (verabscheust du,)〈y〉 JHWH.
8 {Doch ich}〈z〉 Ich dagegen darf〈q〉 dank deiner großen〈aa〉 Gnade (Treue, Liebe)〈ab〉 in dein Haus kommen;
Anmerkungen
| a | Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1) |
| b | Die Präposition אֶל kann gerade in Psalmentitel auch ebenso verwendet werden wie die Präp. עַל; vgl. z.B. KBL3, S. 49; ad loc. z.B. auch Schmidt 1934, S. 39. Einige MSS haben hier sogar עַל stehen. (Zurück zu v.1) |
| c | ungeklärter Begriff. „Flöten(spiel)“ ist in der neueren Exegese m.o.w. Konvention, aber es mangelt nicht an alternativen Vorschlägen (eine gute Auflistung findet sich in Ges18, S. 800f. Ergänze noch den Vorschlag einer Ableitung vom akk nahâlu „aushöhlen“ von Geers 1918, S. 131.). Die alten Vesionen denken durchweg nicht an Instrumente: Tg denkt an „zum Tanz“; LXX, VUL, Aq und Sym denken an „Erbschaften“ und zwei MSS haben sogar הנחלות stehen; so z.B. auch YLT, LUT12; König 1927; Schmidt 1934. „Nach „das Erbe““ scheint uns daher eigentlich sogar wahrscheinlicher, aber da auch dies nicht viel mehr als ein educated guess und zusätzlich eine wissenschaftliche Minderheitenmeinung wäre, muss man wohl bei den „Flöten“ bleiben. (Zurück zu v.1) |
| d | Die verwendeten Verben sind interessant. I.d.R. werden diese und ähnliche Ausdrücke als termini technici für Gebetserhörungen verwendet, und dies ist auch hier ihr Sinn. Hier spielt aber ein Weiteres mit hinein: Die drei Verben verdichten eine erbetene Steigerung der Aufmerksamkeit JHWHs auf das Beten des Psalmisten: V. 2a: „höre“ (אזנ „hören“), V. 2b „horch“ (בינ „achten auf“ (der Kontext schließt eine Übersetzung mit „verstehe“ oder „nimm wahr“ aus)), V. 3a „lausche (aufmerksam)“ (קשב „aufmerksam hinhören“, vgl. z.B. THAT II, S. 685f.). Häufig werden solche Verwendungen in unserer Lesefassung umschrieben mit etwas wie „erhöre mich“, aber da Ps 5 häufiger mit ähnlichen Dreierpaaren von Begriffen spielt, sollte hier auf eine solche freiere Umschreibung nur zurückgegriffen werden, wenn es gelingt, auch in diesen Umschreibungen ein sich steigerndes Dreierpaar zu kommen. (zu v.2 / zu v.3) |
| e | Die Bedeutung dieses dis legomenon ist nicht ganz klar; vorgeschlagen wurden „Grübleln, Sinnen“, „Murmeln“, „Seufzen“, „Stöhnen“ und „flehendes Klagen“. Der hierige Parallelismus legt aber stark nahe, dass es sich auch bei der Fügung בינ הֲגִיגִי um einen Ausdruck für die Erhörung eines Gebetes handelt. So schon LXX, VUL; vgl. auch Kraus 1961, S. 38. (Zurück zu v.2) |
| f | Dieser Ausdruck ist hier sehr passend. Das mit „Flehen“ übersetzte Wort in V. 2b ist leider unklar, aber es scheint, als liefe die Steigerung von JHWHs Aufmerksamkeit auf das Beten des Psalmisten (s. Fußnote d) parallel zu einer Steigerung der Lautstärke/Dringlichkeit von dessen Beten. (Zurück zu v.3) |
| g | כִּי dient hier wie so oft bloß zur Betonung des folgenden Teilsatzes. In der neueren Exegese wird es allerdings meist als kausales כִּי interpretiert: „erhöre mich, mein König und mein Gott, weil ich zu dir rufe“ (Zurück zu v.3) |
| h | Textkritik: Viele Exegeten wollen nach LXX und Hier dieses JHWH metri causa ans Ende von V. 3 verschieben (vgl. Budde 1915, S. 178; Dahood 1965, S. 28; Duhm 1899, S. 17f.; Irwin 1933, S. 10; Schmidt 1934, S. 9). Das ist aber unnötig. (Zurück zu v.4) |
| i | adverbialer Akkusativ der Zeit; vgl. ad loc. A-C 2.3.2b; Dav §68. Das Yiqtol auch iterative Bedeutung haben kann, kann man es übersetzen sowohl mit „am Morgen“ als auch „jeden Morgen“ (so z.B. Kissane 1953, S. 19). Warum hier aber ein solches Gewicht auf den Zeitpunkt des Betens gelegt wird, ist unklar. Vielleicht soll damit einfach betont werden, dass der Beter schon von frühester Morgenstunde an zu JHWH betet; daher die Einfügung des „schon“ (so auch einige andere Üss). Ansonsten könnte es sich auch auf ein rituelles Morgengebet beziehen. Die Stelle ist ein wenig rätselhaft. (zu v.4) |
| j | Die imperativische Übersetzung wird empfohlen von Auffret 1995, Craigie 1983 und Dahood 1965. Aber da V. 4b deutlich parallel ist zu 4c, sollte man wohl doch in beiden Versen gleich - und das heißt: mit Futur - übersetzen. (Zurück zu v.4) |
| k | Dieses meist mit „ich werde bereiten“ übersetzte Verb ist schwer verständlich. Joüon hat vorgeschlagen, zu emendieren nach עמד לך „auf dich will ich warten“ (vgl. z.B. ZLH, S. 606); so offenbar auch R-S: „Ich harre“. Meist aber heißt es, es sei hier nur das Objekt ausgespart und müsse ergänzt werden - was die meisten Bibelübersetzungen auch tun. Vermutlich ist nichts von beidem nötig: ערך heißt nicht nur „[X] bereiten“. Recht wahrscheinlich kann es z.B. auch reflexiv verwendet werden für „sich bereitmachen“ (vgl. CDCH, S. 344; ad loc. auch Terrien 2003, S. 104. So interpretieren außerdem wohl auch schon LUT12, LUT, TAF, van Ess). Seeligmann hat außerdem vorgeschlagen, dass ערך durchaus auch „beten“ meinen könne (vgl. Seeligmann 1967, S. 278; vgl. auch Ges18, S. 1014; KBL3, S. 837. Schon wegen des Parallelismus ist dies die entschieden vorzuziehende Übersetzungsvariante. (Zurück zu v.4) |
| l | zu ergänzen aus dem vorherigen clause (-> Brachylogie) (Zurück zu v.4) |
| m | „warten“ meint: „hoffnungsvoll auf Gottes Erlösungstat harren“ (vgl. z.B. CDCH, S. 383). (Zurück zu v.4) |
| n | emphatisches כִּי; im Deutschen nicht zu übersetzen (Zurück zu v.5) |
| o | so unnötigerweise Dahood 1965, S. 30: „A no-god delights in evil, / but you - no evil man can be your guest.“ Im ersten Moment könnte es übrigens sogar so scheinen, als würde diese Interpretation von der Punktation gefordert, denn „Böse“ und „du“ ist im hebräischen Text durch ein Paseq getrennt. Aber Paseq wird auch verwendet, um z.B. gegensätzliche Worte voneinander abzuheben (vgl. z.B. GKC §15.f.3b), so dass auch er nicht als Indiz für die richtige Interpretation des Verses gedeutet werden kann. Wegen dem Parallelismus ist daher entschieden die Standard-deutung vorzuziehen. (Zurück zu v.5) |
| p | Spätestens V. 6 wird klar, dass hier von Menschen die Rede ist; daher ist durchaus so zu übersetzen. Dennoch werden meist beide oder mindestens das erste Substantiv als Abstrakta gedeutet („Böses“ + „Schlechtes“). (zu v.5) |
| q | permissives Yiqtol (Zurück zu v.5 / zu v.6 / zu v.8) |
| r | Dieser Sticho ist raffiniert gedichtet. יצב wird meist übersetzt mit (1) „stehen“; es kann aber auch meinen sowohl (2) das „Stehen-bleiben“ i.S.v. „verweilen“ als auch das „Be-stehen“ (auch i.S.v.: „am Leben bleiben“). Weiterhin לְנֶגֶד עֵינֶיךָ „vor deinen Augen“ kann sowohl schlicht „vor dir“ meinen als auch „in deinem Urteil“ (vgl. z.B. ZLH, S. 591). |
| s | Auch über die Bedeutung der הוללים ist man sich uneins in der Exegese. Das Problem ist, dass es abgeleitet werden kann von הלל I „lärmen, (sich) rühmen, preisen“ als auch von הלל III „töricht sein, (freveln (so in Lexika m.W. nur ZLH, S. 193))“. Wahlweise wird dann übersetzt: (1) „Die, die sich selbst preisen“ (2) „Angeber, Lärmer“ (dies: Mehrheitsübersetzung), (3) „Törichte, Verblendete“ oder (4) Frevler. Da הוללים aber im Parallelismus steht zu den „Bösen“, den „Schlechten“ und den „Übeltätern“, ist es überdeutlich, dass es hier als moralische Kategorie verwendet wird; man wird sich daher Zorell anschließen müssen. Vgl. auch LXX: „Gesetzesbrecher“; Hier: „Bösartige“; Buttenwieser 1938, S. 406: „Gottlose“; H-R: „Der Böse“; HRD05: „Die Unrecht verüben“; NVul: „Ungerechte“; van Ess: „Frevler“. Ich halte das für so sicher, dass ich sogar eher emendieren und dann ableiten von חלל I oder II würde, ehe ich zu einer Übersetzung wie „Törichte“ oder „Angeber“ greifen würde. |
| t | gnomisches Qatal (Zurück zu v.6) |
| u | wörtl.: „Tuer von Unheil“. Hierfür sollte man sich u.U. noch eine andere Übersetzung überlegen. Die Logik hinter dieser Übersetzung war: (1) „Tuer von Unheil“ ist ein Standardbegriff für die Feinde des Beters von individuellen Klagepsalmen (vgl. ThWAT I, S. 157-9) - sie sind ihm „nicht hold“ -, (2) das „Unheil“, das sie begehen, wird stets als etwas bestimmt, das dem Willen JHWHs widerspricht (gut ThWQ I, S. 95: „Unheiliges“) und (3) diese „Tuer von Unheil“ werden öfters mit derart nahezu mythischem Vokabular beschrieben, dass es seit Mowinckel zu einer Auslegungstradition gekommen ist, die diese „Tuer von Unheil“ regelmäßig als Zauberer und Dämonen identifiziert (aber dagegen vgl. TWAT I, S. 82f.). Wichtig ist außerdem noch, dass als das konkrete Unheil, das diese „Unholde“ tun, meist Wort-Sünden geschildert werden (vgl. ThWAT I, S. 155), was diesen Sticho gut zusammenstimmen lässt mit dem folgenden V. 7. (Zurück zu v.6) |
| v | wörtl. „Sprechende von Lügen“; parallel konstruiert zum obigen „Tuern von Unheil“ (Zurück zu v.7) |
| w | wörtl.: „Männer des Blutes/der Bluttat“ (Zurück zu v.7) |
| x | wörtl.: „Männer des Betrugs“ (Zurück zu v.7) |
| y | Textkritik: Craigie 1983, Gunkel 1968 und Schmidt 1934 wollen nach Hier emendieren zu תתעב „verabscheust du, (JHWH)“. In „deutschen Augen“ würde das zwar wirklich besser in den Kontext passen; es ist aber unnötig, da es auch einfach erklärt werden kann als P-Shift. Das liegt ohnehin nahe, weil in diesem Sticho ja gleichzeitig ein T-Shift zu 6b verdichtet ist: „du hasst“ steht im Qatal, das hierige, temporalsemantisch deutlich gleichbedeutende „er verabscheut/du verabscheust“ dagegen im Yiqtol. Auch in diesem Falle sollte man aber in der Lesefassung besser mit „verabscheust du, JHWH“ übersetzen, da Shifts im Deutschen anders als im Hebräischen kein geläufiges Stilmittel sind. (Zurück zu v.7) |
| z | Heb. וַאֲנִי. Dieses וַאֲנִי wird meist so interpretiert, dass dadurch besondere Emphase auf die durch das Pronomen bezeichnete Person gelegt werde: „Und ich, ich darf...“. Tatsächlich markiert es aber meist bloß Personenwechsel und sollte in der Übersetzung besser ausgespart werden; vgl. z.B. das deutliche Beispiel in Gen 9,7.9: „Und ihr, ihr sollt fruchtbar sein...! [...] Und ich, siehe, ich will meinen Bund schließen...“ = „Ihr sollt fruchtbar sein...! [...] Ich will meinen Bund schließen...“ Ohnehin ist „Emphase“ nicht die richtige Bezeichnung für dieses Phänomen; man bezeichnet es als „Topikalisierungsstrategie“. Das ist auch hier der Fall, wie das folgende vorangestellte Yiqtol in 8b deutlich macht; dennoch sollte man aber hier - und prinzipiell - absehen von einer Übersetzung mit „Und ich, ich...“, da dies einfach nicht dem deutschen Stil entspricht. Eine Übersetzung mit „Ich dagegen darf“ genügt völlig. (Zurück zu v.8) |
| aa | wörtl. „In der Menge deiner...“. Zu „Wegen“ vgl. Lexikon/Lemma בְּ, Eintrag 4.6 („Beth rationis impellentis“); zu „großen“ vgl. z.B. CDCH, S. 411. (Zurück zu v.8) |
| ab | V. 8ab.9a haben je eine mit בְּ eingeleitete und mit ךָ zugeordnete Angabe: 8a: „In deiner großen Gnade“, 8b: „In deiner Furcht“, „In deiner Gerechtigkeit“. Das parallelisiert die drei Stichen (-> grammatischer Parallelismus), aber es lässt sich dieser Parallelismus wohl leider nicht ins Deutsche übertragen: „in deiner Furcht“ heißt natürlich „ehrfürchtig“ und „in deiner Gerechtigkeit“ fungiert als Appell (wie es häufiger in Bitten verwendet wird; vgl. z.B. Ps 21,14; Ps 25,5; Ps 68,11 u.ö.): „Bei deiner Wahrhaftigkeit bitte ich dich“, oder, wie man es z.B. aus deutschen liturgischen Texten kennt: „Du Wahrhafter, ich bitte dich“. (zu v.8) |
| ac | aus dem Kontext zu ergänzen (->Brachylogie) (Zurück zu v.8) |
| ad | אֶל kann auch lokative Bedeutung haben und hat es hier auch sehr sicher, da im vorangehenden Vers ja davon die Rede ist, dass der Beter den Tempel betreten darf. Vgl. auch Syr, Ehrlich 1905; NCV; Prinsloo 1998; TAF; van Ess: „in deinem Tempel“ (Zurück zu v.8) |