Psalm 4

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 4)

1 Für den Chorleiter. Mit Saitenspiel.
Ein Davidspsalm.


2 Du wahrer Gott: Erhör mich, wenn ich zu dir rufe!

Aus meiner Not errette mich,
hilf mir, gewähr mein Bittgebet!


3 Wie lange wollt ihr Gott noch schmähn?

Wie lange wollt ihr Lügen lieben?
Wie lange noch zu Götzen flehn?

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Studienfassung (Psalm 4)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a Mit Saitenspiel (Flötenspiel)b
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Wenn (weil) ich rufe antworte mir (erhöre mich)c, oh du mein wahrer Gott (mein gerechter Gott, Gott meines Heils, Gott meiner Gerechtigkeit)d!

in der Enge (Not) schaff mir (hast geschaffen)e Weite (hilf mir in meiner Not)f
erbarme dich meiner und höre (erhöre)g mein Flehen (Gebet)h!


3 {Männer}i Wie lange [ist] mein Herrlicher (Gott, meine Ehre)j geschmäht (zum Schimpf)k?l

[Wie lange]m wollt ihr Nichtiges (Leeres, Abgötter)n lieben?
[Wie lange]m wollt ihr Lügen (-gebilde, Götzen)n anflehen (suchen)?

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Anmerkungen

aGenaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt und sie sogar recht sicher falsch ist (u.a. deshalb, weil sie stark von der Annahme beeinflusst ist, dass die Psalmen ursprünglich für die Tempelliturgie verfasst wurden. Schon das ist aber nicht wesentlich mehr als eine Spekulation; wir wissen von wenigen Psalmen neben den Wochentags- und den „Festtags-“psalmen, dass sie überhaupt irgendwann im Tempel verwendet wurden). (Zurück zu v.1)
bAuch hier ist „Saitenspiel“ mehr oder weniger bloß Konvention; daneben gibt es auch die alternative Übersetzungstradition „Flötenspiel“; ad loc. z.B. Houston/Waltke 2010, S. 223f.; Kissane 1953, S. 13 (Zurück zu v.1)
cWörtl. „antworten“, aber term. tech. für Gebetserhörungen. (Zurück zu v.2)
dentweder Genitiv des Effekts - etwa „du Gott, der für mich Gerechtigkeit/Heil verursacht“ - oder attributiver Genitiv - etwa „du mein gerechter/wahrer Gott“. Die Mehrzahl der Exegeten übersetzt „Du Gott meines Rechts“; es ist dies aber v.a. darauf zurückzuführen, dass sie den Psalm so interpretieren, dass der Psalmist sich ungerecht behandelt fühlt und deshalb zu Gott ruft (s.u.). Da dies vermutlich nicht so ist, sollte man besser - da in V. 3 Gott mit Götzen kontrastiert wird - als „wahrer Gott“ interpretieren. (Zurück zu v.2)
eprekatives Qatal; so ad loc. auch Buttenwieser 1938; Craigie 1938; Ehrlich 1904; Eitan 1929; Gerstenberger 1991, S. 55; Goldingay 2006; Houston/Waltke 2010; IBHS §30.5.4d (Zurück zu v.2)
f„Raum schaffen, weit machen, weiten“ muss meist wörtlich verstanden werden.
Zorell 1928 jedoch übersetzt: „in meiner Enge/Not [das Lateinische angustia kann ebenso wie das hebräische צָּר beides bedeuten] hast du mir geholfen“ (meine Übersetzung) und kommentiert: „Die Hebräer sahen Gefahr als „Enge“ und die Befreiung von der Gefahr als „Erweiterung“, „Zugeständnis von weiten Räumen“ an.“ (S. 6; meine Übersetzung). Die einzige wirkliche weitere Belegstelle, die man hierfür heranziehen kann, ist Ps 25,17; aber die Parallele ist so nah und die Stoßrichtung der beiden Verse so klar, dass dies in der Tat die zu wählende Übersetzung sein sollte. So auch ALB; CSB; ESV; GNT; GW; HER; HNV; Houston/Waltke 2010, S. 223;Kissane 1953, S. 13; LEB; NAS; NCV; NGÜ; NIV; NKJV; TNIV; van Ess; WEB. (Zurück zu v.2)
gWörtl. „hören“, aber term. tech. für Gebetserhörungen; zumal in Kombination mit תְפִלָּה (wie hier). Dieses תְפִלָּה kann zwar auch für Gebete i.A. stehen, hat aber doch zunächst und zumeist die Bedeutung „Bitte, Fürbitte, Bittgebet“; vgl. z.B. Heinen 1973, S. 104f.; THAT 430f.; ad loc. auch Schökel 1980, S. 41. (Zurück zu v.2)
hs. letzte Fußnote (Zurück zu v.2)
iWörtl.: „Söhne von Männern“! Häufig wird geschrieben, dass בְּנֵי אִיש entsprechend dem babylonischen mâr awilim und im Unterschied zu בְּנֵי אָדָם höhergestellte Personen bezeichnet (daher z.B. Dahood 1965, S. 22: „O men of rank“), aber an der einzigen Stelle, an der בְּנֵי אִיש vorkommt und evt. diese Konnotation haben kann (vgl. Ps 49,3), stammt diese Konnotation aus dem Kontext. Da hier keine vergleichbaren kontextuellen Indikatoren existieren (ebenso wie Ps 62,10; Klg 3,33), besser allgemein „Leute!/Männer!“; ein solcher eine Rede einleitende Vokativ ist im Deutschen aber eher untypisch, weshalb man es für die Lesefassung besser streichen sollte. (Zurück zu v.3)
jכָּבוֹד wird in der Bibel häufig appellativisch für JHWH verwendet. Dies ist auch hier die naheliegendste Bedeutung; vgl. Fußnote l; vgl. auch den Kontrast mit den „Lügen-gebilden und Nichtsen“ in V. 3b. Ebenso z.B. Dahood 1965, S. 22; Goldingay 2006, S. 171; NIV (Zurück zu v.3)
kLamed des Zustands; vgl. z.B. KBL3, S. 484; die Bedeutung ist schlicht „Wie lange soll das noch so gehen, dass ihr meinen Gott schmäht?“. (Zurück zu v.3)
lMeist verstanden als „Wie lange wollt ihr meine Ehre schmähen?“. Das Verständnis des Psalms, das dahinter steht, ist Folgendes: Gott hat den Beter aus einem Unheil gerettet. Die in V. 3 Angesprochenen glauben jedoch dem Beter nicht, als er von Gottes Erlösungstat berichtet, wodurch dieser sich in seiner Ehre angegriffen fühlt, ein weiteres Mal zu Gott ruft, auf dass ihn Gott nun auch aus dieser Schmach befreien möge und ineins damit seine Verleumder rügt, dass sie weiterhin an ihren Lügen festhalten.

Das ist eine recht abenteuerliche Konstruktion; daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es zu einigen alternative Interpretationsvorschlägen gekommen ist, etwa dem, den Psalm als „Flehen eines unschuldig Angeklagten im Tempel“ oder als „Gebet um Regen“ zu deuten.

Wir wollen eine alternative Interpretation vorschlagen, die ähnlich auch schon von Goldingay 2006 vertreten wurde: Die Angesprochenen sind gleich dem Psalmisten eigentlich JHWH-verehrer. Diese aber fühlen sich in ihrem Beten nicht erhört, schmähen daher JHWH (V. 3a) und haben sich deshalb Lügengebilden und Nichtsen (=anderen Götzen) hingegeben (V. 3b). Der Psalmist hält dagegen, dass Gott natürlich Gebete erhört, allerdings nur die seiner Anhänger (V. 4). Sie sollen daher ihr Schmähen (V. 5) und ihre Götzenverehrung (V. 3b) sein lassen, dem wahren Gott vertrauen und ihm Opfer darbringen (V. 6). Daraufhin wendet er sich wieder zu JHWH und dankt ihm für den ruhigen und starken Glauben (V. 9), den dieser ihm im Gegensatz zu den Unzufriedenen Götzenverehrern ins Herz gegeben hat (V. 7f.). (Zurück zu v.3)
mdouble duty-modifier aus V. 3a; so auch Buttenwieser 1938; Craigie 1983; Dahood 1965; Deissler 1989; Goldingay 2006; Kirkpatrick 1895; Terrien 2003, S. 94 (zu v.3)
nSubstantive wie „Nichtiges“, „Leeres“, „Eitles“ etc. werden in der Bibel häufiger pejorativ für Götzen verwendet; so auch hier. (zu v.3)