Psalm 16: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|2}} Ich sage (du sagst)<ref>'''Textkritik''': ''Ich sage (du sagst)'' - Im Heb. auf den ersten Blick 2. Pers. fem. Sg., „du (fem.) sagst“ (''amart'') oder mit anderen Vokalen 2. Pers. mask. Sg., (''amarta''; so auch Craigie 1983; Franken 1954; Schedl 1964b; Tournay 2001; Jerusalemer Bibel). Das „Du sagst, ''meine Seele''“ in ELB und SLT rührt von der sehr alten und veralteten Deutung (die sich auch schon im Tg findet) her, der Sprecher halte hier wie in [[Psalm 42#s6 |Ps 42,6]].12; [[Psalm 43#s5 |43,5]]; [[Jeremia 4#s19 |Jer 4,19]] (ähnlich [[Klagelieder 3#s24 |Klg 3,24f.]]) ein Zwiegespräch mit seiner Seele. Diese wäre dann aber wie dort sicher auch ausgedrückt. Die meisten Exegeten und fast alle Üss. gehen davon aus, dass hier entweder mit einem zusätzlichen ''Jod'' am Ende (das sich auch in einigen Handschriften findet) als 1. Pers. Sg. (''amarti'') gelesen werden müsste oder dass die Konsonanten auch so als defektive Schreibung von ''amarti'' verstanden werden können, da so auch LXX, Syr, VUL übersetzen: „ich sagte“.</ref> zu (über) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
{{S|2}} Ich sage (du sagst)<ref name="textkritik 2-4">'''Textkritik''': Vv. 2-4 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch überhaupt. Teilweise liegt das daran, dass sich hier eine Reihe textkritischer Probleme finden; zu diesen s. den [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4].<br />'''Zu Vv. 2-4''': Weiterhin sehr erschwert wird das Verständnis dieser Verse durch viele (oben im Text angezeigte oder in den folgenden FNn angegebene) Ambiguitäten, die zusammengenommen dazu führen, dass der Text auf ganz verschiedene Weisen verstanden werden könnte. Hinzu kommt v.a. noch die Problematik, dass das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und daher auch V. 3 oder sogar noch V. 4 als wörtl. Rede vom „ich sage/du sagst“ in V. 2 abhängen könnten; außerdem die Tatsache, dass V. 3b auch als unmarkierter Relativsatz verstanden werden. Neben der obigen (z.B. auch von ALB und MEN) gewählten Auflösung hier nur noch die drei häufigsten Alternativauflösungen, die grammatisch auch möglich sind:
_Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,<ref>'''Textkritik''': Meist übersetzt à la „Über dich hinaus gibt es kein Lebensglück für mich“ (Weber 2001; zum Gedanken vgl. [[Palm 73#s25 |Ps 73,25]]). Doch hier steht ''bal'' („nicht“) nicht vor „Mein Lebensglück“, sondern vor „über dir/dich hinaus“, „Mein Lebensglück ist nicht über dich hinaus“. Hätte der Dichter schreiben wollen „Es gibt für mich kein Lebensglück über dich hinaus“, hätte er ''bal'' eher wie 2x in V. 4 und 1x in V. 8 an den Beginn des Satzes gestellt (''bal tobati `alecha'') oder ''´ejn'' verwendet (''tobati ´ejn `alecha''). LXX und VUL übersetzen daher diesen Satz mit „meine Güter sind nicht auf dir“ (=„du bedarfst ihrer nicht“; zum Gedanken vgl. [[Ijob 22#s2 |Ijob 22,2f]]; [[Ijob 35#s7|35,7]]; [[Römer 11#s35 |Röm 11,35]]; so verstanden den Vers z.B. auch Luther und Calvin), Aq sogar mit „meine Güte ist keinesfalls auf dir“, was wohl wie bei Raschi verstanden werden muss als „meine moralische Gutheit ist nicht auf dir (=kann dich nicht zu etwas verpflichten) [weil sie deiner nicht würdig ist]“; ähnlich Kimchi: „Meine guten Werke erreichen dich nicht“. Sym, Tg Hier und wohl auch Syr schien ein anderer Text vorzuliegen, nämlich ''tobati bal bil`adecha'', „Mein Wohlergehen [ist] nicht, außer durch dich“, also „einzig dank dir geht es mir gut“ (vgl. [[2Makkabäer 1#s25 |2 Makk 1,25]]); mit z.B. BHS, Houbigant 1777, Bonkamp 1949, Herkenne 1936 und Kraus 1961 sollte man davon ausgehen, dass dies der ursprüngliche Text war.</ref>
{{S|3}} Zu den (über die) Heiligen,<ref name="Heilige">''Heilige'', ''die Herrlichen'' - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. [[Exodus 19#s6 |Ex 19,6]]; [[Deuteronomium 33#s3 |Dtn 33,3]]; [[Daniel 7#s21 |Dan 7,21]].25; [[Psalm 34#s10 |Ps 34,10]]. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die ''Israeliten'' JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. ''würdige und mächtige'' Menschen bezeichnet (s. [[Richter 5#s13 |Ri 5,13]]: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); [[2Chroniken 23#s20 |2 Chr 23,20]]: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; [[Psalm 136#s18 |Ps 136,18]]: „herrliche Könige“); und ''herrlich'' sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ ''qua'' „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.<br />Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an [[Palm 89#s6 |Ps 89,6-8]]; auch [[Deuteronomium 33#s2 |Dtn 33,2f.]]; [[Daniel 4#s5 |Dan 4,5f.]].10.14f.20; [[Ijob 5#s1 |Ijob 5,1]]; [[Ijob 15#s15 |15,15]]; [[Sacharja 14#s5 |Sach 14,5]], wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.<br />Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.).</ref> die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,<ref>'''tFN''': ''Diese,'' - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in [[Genesis 9#s3 |Gen 9,3]]; [[Numeri 9#s13 |Num 9,13]]; [[Numeri 35#s31 |35,31]]; [[Rut 4#s15 |Rut 4,15]]; [[Kohelet 4#s2 |Pred 4,2]]), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. [[Genesis 17#s12 |Gen 17,12]]; [[Numeri 17#s5 |Num 17,5]]; [[Deuteronomium 17#s15 |Dtn 17,15]]; [[Deuteronomium 20#s15 |20,15]]; [[1Könige 9#s20 |1 Kön 9,20]]; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass ''hemmah'' ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das ''Waw'' („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein ''Waw explicativum'' („Diese, ''d.h.'' die Herrlichen“).</ref> die (meine) Herrlichen:<ref name="Heilige" />
_Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“<ref>Man beachte, wie sowohl in der Anrede an Gott als auch in der Anrede an die Heiligen drei Worte auf den Angesprochenen verweisen: Zu ''JHWH'': „Mein ''Herr'' bist ''du'', / mein Wohlergehen ist nicht außer durch ''dich'''“; zu den ''Heiligen'': „''Diese'', die ''Herrlichen'', all mein Wohgefallen richtet sich auf ''sie''.“<br />'''tFN''': ''Zu Vv. 2-3'': Ps 16,2-3 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch. Wegen vieler kleinerer Ambiguitäten lassen sich die Verse auf ganz verschiedene Weisen verstehen. Die wichtigsten Unsicherheiten sind, dass (1) die Präposition vor „JHWH“ und „die Heiligen“ in Vv. 2.3 sowohl als „zu“ als auch als „über“ verstanden werden können und zudem auch grammatische Subjekte besonders markieren können, dass (2) ''tub'' in V. 2 sowohl „Wohlergehen“ als auch „Glück“ bedeuten kann, dass (3) die „Heiligen“ sowohl Menschen als auch göttliche Wesen bezeichnen könnten und (4) die Bedeutung des Satzes in 4b. Unsicher ist außerdem (5) die Syntax von V. 4, da das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und V. 3 oder sogar V. 4 damit noch vom (6) ebenfalls unsicheren „Ich sag(t)e“ / „Du sag(te)st“ in V. 2 abhängen könnte oder nicht. Hinzu kommt noch (7), dass 3b auch ein unmarkierter Relativsatz sein könnte. Möglich wäre neben der obigen Auflösung (diese z.B. auch bei ALB, MEN) also z.B.:
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen –: Mein ganzes Wohlgefallen richtet sich auf sie. (z.B. LUT17)
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen –: Mein ganzes Wohlgefallen richtet sich auf sie. (z.B. LUT17)
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: [V. 4]. (z.B. Ridderbos 1972, S. 157)
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: [V. 4]. (z.B. Ridderbos 1972, S. 157)
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“], zu den Heiligen (Götter), die im Land sind – [zu] diesen, (und) den Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: „[V. 4]“ (z.B. Weber 2001, S. 96),
* [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“], zu den Heiligen (Götter), die im Land sind – [zu] diesen, (und) den Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: „[V. 4]“ (z.B. Weber 2001, S. 96)
und viele Auflösungen mehr, zu denen noch weitere Üss. kommen, die auf einer Korrektur des heb. Textes basieren. Ein Beispiel für eine andere Auflösung, die den Sinn der Verse völlig verändern würde, ist die von Craigie 1983, Franken 1953, Tournay 2001 und der Jerusalemer Bibel (vgl. wichtig auch Mannati 1972), die ''amart'' in V. 2a als 2. Pers. verstehen, die „Heiligen“ als Ausdruck für Götter und 2b als gegensätzliche Aussage von 3b: „Ihr sagt zu Jahwe: ‚Mein Herr! / Du bist mein Glück, über dich geht nichts!‘; zu den ‚Heiligen‘, denen, die da auf Erden sind: / ‚Ihr Prächtigen mein! Bei euch ist mein ganzes Gefallen!‘“; der Psalmist zitierte dann also vorwurfsvoll synkretistische Gegner, die neben JHWH auch noch irdische „Götter“ anbeten. Will man bei der textkritischen Entscheidung zu 2b nicht mitgehen, wäre diese völlig andere Auflösung wohl die nächstwahrscheinlichere; will man die „Heiligen“ nicht als Götter verstehen, wieder eine andere mit sehr unterschiedlicher Bedeutung usw. – Vv. 2-3 sind und bleiben sehr unsicher.</ref></poem>
Ein letztes und wichtiges Beispiel für eine andere Auflösung, die den Sinn der Verse völlig verändern würde, ist die von Craigie 1983, Franken 1953, Tournay 2001 und der Jerusalemer Bibel (vgl. wichtig auch Mannati 1972), die ''amart'' in V. 2a als 2. Pers. verstehen, die „Heiligen“ als Ausdruck für Götter und 2b als gegensätzliche Aussage von 3b: „Ihr sagt zu Jahwe: ‚Mein Herr! / Du bist mein Glück, über dich geht nichts!‘; zu den ‚Heiligen‘, denen, die da auf Erden sind: / ‚Ihr Prächtigen mein! Bei euch ist mein ganzes Gefallen!‘“. Der Psalmist zitierte dann also vorwurfsvoll synkretistische Gegner, die neben JHWH auch noch irdische „Götter“ anbeten. Will man bei der textkritischen Entscheidung zu 2b nicht mitgehen, wäre diese völlig andere Deutung wohl die nächstwahrscheinlichere; will man die „Heiligen“ nicht als Götter verstehen, wieder eine andere mit sehr unterschiedlicher Bedeutung usw. – Vv. 2-4 sind und bleiben sehr unsicher.</ref> zu (über) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
_Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,<ref name="textkritik 2-4" />
{{S|3}} Zu den (über die) Heiligen,<ref name="Heilige">''Heilige'' + ''die Herrlichen'' - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. [[Exodus 19#s6 |Ex 19,6]]; [[Deuteronomium 33#s3 |Dtn 33,3]]; [[Daniel 7#s21 |Dan 7,21]].25; [[Psalm 34#s10 |Ps 34,10]]. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die ''Israeliten'' JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. ''würdige und mächtige'' Menschen bezeichnet (s. [[Richter 5#s13 |Ri 5,13]]: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); [[2Chroniken 23#s20 |2 Chr 23,20]]: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; [[Psalm 136#s18 |Ps 136,18]]: „herrliche Könige“); und ''herrlich'' sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ ''qua'' „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.<br />Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an [[Palm 89#s6 |Ps 89,6-8]]; auch [[Deuteronomium 33#s2 |Dtn 33,2f.]]; [[Daniel 4#s5 |Dan 4,5f.]].10.14f.20; [[Ijob 5#s1 |Ijob 5,1]]; [[Ijob 15#s15 |15,15]]; [[Sacharja 14#s5 |Sach 14,5]], wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.<br />Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.).</ref> die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,<ref>'''tFN''': ''Diese,'' - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in [[Genesis 9#s3 |Gen 9,3]]; [[Numeri 9#s13 |Num 9,13]]; [[Numeri 35#s31 |35,31]]; [[Rut 4#s15 |Rut 4,15]]; [[Kohelet 4#s2 |Pred 4,2]]), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. [[Genesis 17#s12 |Gen 17,12]]; [[Numeri 17#s5 |Num 17,5]]; [[Deuteronomium 17#s15 |Dtn 17,15]]; [[Deuteronomium 20#s15 |20,15]]; [[1Könige 9#s20 |1 Kön 9,20]]; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass ''hemmah'' ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das ''Waw'' („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein ''Waw explicativum'' („Diese, ''d.h.'' die Herrlichen“).</ref> die (meine) Herrlichen:<ref name="Heilige" />
_Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“<ref>Man beachte, wie sowohl in der Anrede an Gott als auch in der Anrede an die Heiligen drei Worte auf den Angesprochenen verweisen: Zu ''JHWH'': „Mein ''Herr'' bist ''du'', / mein Wohlergehen ist nicht außer durch ''dich'''“; zu den ''Heiligen'': „''Diese'', die ''Herrlichen'', all mein Wohgefallen richtet sich auf ''sie''.“</ref></poem>




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{{S|4}} Es vermehren ihre Schmerzen<ref>''vermehren ihre Schmerzen'' - nämlich so, wie Calvin gut erklärt: „Ungläubige, die falschen Göttern Geschenke opfern, verlieren nicht nur, was sie dafür ausgegeben haben, sondern laden auch noch Leid um Leid auf sich, weil es letzten Endes schlimm und ruinös für sie ausgehen wird.“ (Calvin 1845, S. 222)</ref> (ihre Götzenbilder; es werden vermehrt die Schmerzen derer), die einem anderen (die anderen) nacheilen (umwerben?),<ref>'''Textkritik''': Vier textkritische Probleme in einer Zeile auf einmal: (1) „Es vermehren“ und „Es werden vermehrt“ wäre im ursprünglichen, nur aus Konsonanten bestehenden Text gleich geschrieben worden. MT, LXX, Hier, Aq, und Theod deuten als „es werden vermehrt“, Tg und Syr dagegen als „es vermehren“. In der Bed. läuft beides glücklicherweise grob auf das selbe hinaus.<br />(2) Im MT ist von „ihre Schmerzen“ die Rede: ''`atsbotam''. So verstehen das Wort auch LXX, VUL, Syr, Aq, Sym. Dagegen die Übersetzungsvorlage von Tg, Hier, Theod und Quinta scheint gelautet zu haben: ''`atsabim'' / ''`atsabehem'' („(ihre) Götzenbilder“).<br />(3) Den meisten alten Versionen scheint wie in MT ''´acher'' vorgelegen zu haben, „ein anderer“; Aq und Quinta dagegen der Plural desselben Wortes, ''´acherim'' („andere“). Auch dies ist für die Üs. zum Glück nicht wesentlich.<br />(4) Am problematischsten: Die Konsonanten ''mhrw'' könnten sowohl als „eilen“ als auch als „Brautpreis zahlen“ gelesen werden: ''maharu'' vs. ''miharu''. Bei beiden Varianten ist die wahrscheinlichste Bedeutung, dass von dem Anhangen an andere Götter die Rede ist: „Brautpreis zahlen“ wäre ein Ausdruck für „heiraten“ und das Verhältnis von JHWH zu seinem Volk wird noch öfters mit dem Bild der „Heirat“ ausgedrückt; die Rede vom „anderen Göttern nacheilen“ dagegen erinnert stark an den häufigen stehenden Ausdruck „anderen Göttern nachlaufen“ für Götzendienst. Beide Varianten sind aber problematisch: „Brautpreis zahlen“ ist etwas anderes als „heiraten“, da das Ziel dieser Handlung nicht die Braut ist, sondern ihr Vater und ihre Brüder (s. [[Genesis 34#s11 |Gen 34,11f.]]; [[Exodus 22#s15 |Ex 22,15]]; [[1Samuel 18#s25 |1 Sam 18,25]]). Die Variation des Heiratsbildes durch das des Brautpreis-Zahlens wäre damit sehr schief. Darüber hinaus hätte für dieses Bild z.B. das treffendere Verb ''b`l'' („heiraten“) zur Verfügung gestanden, wodurch auch noch ein Wortspiel mit dem Göttername ''Ba`al'' zustande gekommen wäre. ''mhr'' I („eilen“) wiederum wird entweder absolut verwendet oder seltener mit einer ''Ziel''angabe („eilen“ oder „nach/zu X eilen“), auch in letzterer Bed. aber außer in [[Nahum 2#s6 |Nah 2,6]] nie ohne Präp. Die Bed. „(1) ''jmdm'' (2) ''nach''eilen“ hat das Verb nie (vgl. CTAT IV, S. 71), schon gar nicht (3) ohne Präp. Auch die Verwendung dieses Verbs wäre damit merkwürdig schief, v.a., wo doch gerade eine Standardformulierung zur Verfügung gestanden wäre. Aq. scheint ''hemiru'' vorgelegen zu haben, „die andere ''eingetauscht'' haben“ (vgl. [[Psalm 106#s20 |Ps 106,20]]; [[Jeremia 2#s11 |Jer 2,11]]; so auch erwogen von BHS); ähnlich schlagen Driver 1910, S. 27 und Kittel 1914, S. 51 ''baharu'' („wählen“) vor – ersteres hat nur eine schwache, letzteres gar keine externe Bezeugung. Eine textkritisch verantwortbare Entscheidung ist hier nicht möglich; in die LF sollte es daher am besten freier übertragen werden, z.B. durch „die anderen Göttern huldigen“ (HER05), „die anderen Göttern dienen“ (ALB) o.Ä.</ref>
{{S|4}} Es vermehren ihre Schmerzen<ref>''vermehren ihre Schmerzen'' - nämlich so, wie Calvin gut erklärt: „Ungläubige, die falschen Göttern Geschenke opfern, verlieren nicht nur, was sie dafür ausgegeben haben, sondern laden auch noch Leid um Leid auf sich, weil es letzten Endes schlimm und ruinös für sie ausgehen wird.“ (Calvin 1845, S. 222)</ref> (ihre Götzenbilder; es werden vermehrt die Schmerzen derer), die einem anderen (die anderen) nacheilen (umwerben?),<ref name="textkritik 2-4" />
_Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen,<ref>''Blutlibationen'' sind im Alten Orient zwar selten, aber sicher belegt und waren nicht ''per se'' schlecht. Gemeint ist eine Opfer-„gattung“, bei der eine Flüssigkeit (häufig: vor einem oder auf einen Altar) als Opfergabe für eine Gottheit ausgegossen wurde. Für das alte Israel vgl. [[Exodus 29#s12 |Ex 29,12]]; [[Levitikus 4#s7 |Lev 4,7]].18.25.30.34; [[Deuteronomium 12#s27 |Dtn 12,27]]; auch [[Jesaja 66#s3 |Jes 66,3]] setzt voraus, dass man auch „gutes“ Blut opfern konnte (z.B. Lammblut), ebenso [[Hebräer 10#s4 |Heb 10,4.10]]. Auch die Hethiter kannten Blutopfer: „Vor dem Altar [...] libiert er das Blut [der Schafe]“ (KUB 10, 11, 5-7, ''apud'' Liess 2004, S. 149); ebenso die Babylonier, etwa im Etana-Mythos: „Etana flehte täglich zu Schamasch: ‚Du hast verspeist, o Schamasch, das Fett meines Schafs, die Erde trank das Blut meines Lamms! Die Götter habe ich geehrt, die Geister respektiert.‘“ (COS 1.131,131-134).</ref>
_Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen,<ref>''Blutlibationen'' sind im Alten Orient zwar selten, aber sicher belegt und waren nicht ''per se'' schlecht. Gemeint ist eine Opfer-„gattung“, bei der eine Flüssigkeit (häufig: vor einem oder auf einen Altar) als Opfergabe für eine Gottheit ausgegossen wurde. Für das alte Israel vgl. [[Exodus 29#s12 |Ex 29,12]]; [[Levitikus 4#s7 |Lev 4,7]].18.25.30.34; [[Deuteronomium 12#s27 |Dtn 12,27]]; auch [[Jesaja 66#s3 |Jes 66,3]] setzt voraus, dass man auch „gutes“ Blut opfern konnte (z.B. Lammblut), ebenso [[Hebräer 10#s4 |Heb 10,4.10]]. Auch die Hethiter kannten Blutopfer: „Vor dem Altar [...] libiert er das Blut [der Schafe]“ (KUB 10, 11, 5-7, ''apud'' Liess 2004, S. 149); ebenso die Babylonier, etwa im Etana-Mythos: „Etana flehte täglich zu Schamasch: ‚Du hast verspeist, o Schamasch, das Fett meines Schafs, die Erde trank das Blut meines Lamms! Die Götter habe ich geehrt, die Geister respektiert.‘“ (COS 1.131,131-134).</ref>
_Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!<ref>Also nicht einmal ihre Namen aussprechen.</ref>
_Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!<ref>Also nicht einmal ihre Namen aussprechen.</ref>

Version vom 28. Juni 2018, 23:31 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 16)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 16)

1 miktama von (für, über, nach Art von ) David.

Schütze mich, Gott,
denn ich berge mich bei dir (vertraue dir)!


2 Ich sage (du sagst)b zu (über) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,b
3 Zu den (über die) Heiligen,c die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,d die (meine) Herrlichen:c
Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“e


4 Es vermehren ihre Schmerzenf (ihre Götzenbilder; es werden vermehrt die Schmerzen derer), die einem anderen (die anderen) nacheilen (umwerben?),b
Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen,g
Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!h
5 JHWH [ist] das Teil meiner Zuteilung und meines Bechers,
Zieher meines Lossteins (Erhalter meines Loses).i
6
7
8
9
10 Denn du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen, du wirst deinen Frommen nicht dem Sehen der Grube (des Grabes) hingebenj.
11 Du wirst mir kundtun (mich erkennen lassen) den Weg (Pfad) des Lebens; [eine] Fülle (Sättigung) der Freuden ist vor deinem Angesicht, Annehmlichkeiten (Freuden, Liebliches) in deiner Rechten allezeitk.

Anmerkungen

amiktam - Unbekanntes Wort; daher meist mit dem Platzhalterbegriff „Lied“ übersetzt oder einfach transkribiert; für die LF ist wohl ersteres zu empfehlen.
Luther leitet das Wort ab von ketem („Gold“), daher die Üs. „gülden Kleinod“ in den Lutherbibeln. Das „Sühngedicht“ von B-R und Stier2 kommt von einer Ableitung von katam („bedecken“), das auch für das „Sühnen“ von Sünden stehen kann, die Üs. mit „Inschrift“ von BB orientiert sich an der Üs. von LXX (steleografia, „Inschrift“), für das auch die meisten Kommentare optieren, dem aber wohl eher miktab („Geschriebenes“) zugrundeliegt (Pietersma 2010, S. 524f.). Schon den Alten war das Wort unbekannt: Quinta und Sextra transkribieren als machtham, Aq, Sym, VUL, Raschi und andernorts Tg zerlegen das Wort in die Bestandteile mk und tm und übersetzen „vom demütigen und aufrechten David“. Ähnlich auch hier Tg, der das Wort wohl für eine Mischbildung aus miktab und tam hält: „Aufrechte Inschrift“. (Zurück zu v.1)
bTextkritik: Vv. 2-4 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch überhaupt. Teilweise liegt das daran, dass sich hier eine Reihe textkritischer Probleme finden; zu diesen s. den Kommentar / Textkritik Vv. 2-4.
Zu Vv. 2-4: Weiterhin sehr erschwert wird das Verständnis dieser Verse durch viele (oben im Text angezeigte oder in den folgenden FNn angegebene) Ambiguitäten, die zusammengenommen dazu führen, dass der Text auf ganz verschiedene Weisen verstanden werden könnte. Hinzu kommt v.a. noch die Problematik, dass das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und daher auch V. 3 oder sogar noch V. 4 als wörtl. Rede vom „ich sage/du sagst“ in V. 2 abhängen könnten; außerdem die Tatsache, dass V. 3b auch als unmarkierter Relativsatz verstanden werden. Neben der obigen (z.B. auch von ALB und MEN) gewählten Auflösung hier nur noch die drei häufigsten Alternativauflösungen, die grammatisch auch möglich sind:
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen –: Mein ganzes Wohlgefallen richtet sich auf sie. (z.B. LUT17)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: [V. 4]. (z.B. Ridderbos 1972, S. 157)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“], zu den Heiligen (Götter), die im Land sind – [zu] diesen, (und) den Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: „[V. 4](z.B. Weber 2001, S. 96)
Ein letztes und wichtiges Beispiel für eine andere Auflösung, die den Sinn der Verse völlig verändern würde, ist die von Craigie 1983, Franken 1953, Tournay 2001 und der Jerusalemer Bibel (vgl. wichtig auch Mannati 1972), die amart in V. 2a als 2. Pers. verstehen, die „Heiligen“ als Ausdruck für Götter und 2b als gegensätzliche Aussage von 3b: „Ihr sagt zu Jahwe: ‚Mein Herr! / Du bist mein Glück, über dich geht nichts!‘; zu den ‚Heiligen‘, denen, die da auf Erden sind: / ‚Ihr Prächtigen mein! Bei euch ist mein ganzes Gefallen!‘“. Der Psalmist zitierte dann also vorwurfsvoll synkretistische Gegner, die neben JHWH auch noch irdische „Götter“ anbeten. Will man bei der textkritischen Entscheidung zu 2b nicht mitgehen, wäre diese völlig andere Deutung wohl die nächstwahrscheinlichere; will man die „Heiligen“ nicht als Götter verstehen, wieder eine andere mit sehr unterschiedlicher Bedeutung usw. – Vv. 2-4 sind und bleiben sehr unsicher. (zu v.2 / zu v.4)
cHeilige + die Herrlichen - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. Ex 19,6; Dtn 33,3; Dan 7,21.25; Ps 34,10. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die Israeliten JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. würdige und mächtige Menschen bezeichnet (s. Ri 5,13: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); 2 Chr 23,20: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; Ps 136,18: „herrliche Könige“); und herrlich sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ qua „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.
Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an Ps 89,6-8; auch Dtn 33,2f.; Dan 4,5f..10.14f.20; Ijob 5,1; 15,15; Sach 14,5, wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.
Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.). (zu v.3)
dtFN: Diese, - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in Gen 9,3; Num 9,13; 35,31; Rut 4,15; Pred 4,2), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. Gen 17,12; Num 17,5; Dtn 17,15; 20,15; 1 Kön 9,20; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass hemmah ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das Waw („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein Waw explicativum („Diese, d.h. die Herrlichen“). (Zurück zu v.3)
eMan beachte, wie sowohl in der Anrede an Gott als auch in der Anrede an die Heiligen drei Worte auf den Angesprochenen verweisen: Zu JHWH: „Mein Herr bist du, / mein Wohlergehen ist nicht außer durch dich'“; zu den Heiligen: „Diese, die Herrlichen, all mein Wohgefallen richtet sich auf sie.“ (Zurück zu v.3)
fvermehren ihre Schmerzen - nämlich so, wie Calvin gut erklärt: „Ungläubige, die falschen Göttern Geschenke opfern, verlieren nicht nur, was sie dafür ausgegeben haben, sondern laden auch noch Leid um Leid auf sich, weil es letzten Endes schlimm und ruinös für sie ausgehen wird.“ (Calvin 1845, S. 222) (Zurück zu v.4)
gBlutlibationen sind im Alten Orient zwar selten, aber sicher belegt und waren nicht per se schlecht. Gemeint ist eine Opfer-„gattung“, bei der eine Flüssigkeit (häufig: vor einem oder auf einen Altar) als Opfergabe für eine Gottheit ausgegossen wurde. Für das alte Israel vgl. Ex 29,12; Lev 4,7.18.25.30.34; Dtn 12,27; auch Jes 66,3 setzt voraus, dass man auch „gutes“ Blut opfern konnte (z.B. Lammblut), ebenso Heb 10,4.10. Auch die Hethiter kannten Blutopfer: „Vor dem Altar [...] libiert er das Blut [der Schafe](KUB 10, 11, 5-7, apud Liess 2004, S. 149); ebenso die Babylonier, etwa im Etana-Mythos: „Etana flehte täglich zu Schamasch: ‚Du hast verspeist, o Schamasch, das Fett meines Schafs, die Erde trank das Blut meines Lamms! Die Götter habe ich geehrt, die Geister respektiert.‘“ (COS 1.131,131-134). (Zurück zu v.4)
hAlso nicht einmal ihre Namen aussprechen. (Zurück zu v.4)
iTeil, Zuteilung, Becher, Losstein - Vier Begriffe, von denen jeder für sich schon für das Schicksal eines Menschen stehen kann (zur Becher-metapher s. noch Ps 11,6; Ez 23,31-33; Hab 2,16; Mk 10,38; 14,36; wohl auch Ps 23,5.). Die sehr redundante Fügung „Teil meines Anteils“ findet sich denn auch sonst nicht mehr in der Bibel. Der heb. Text ist sogar noch reundanter als der dt., weil hier einige dt. Worte nur als Suffixe realisiert sind. In Zeile 1 stehen neben „JHWH“ nur drei „schicksalhafte“ Worte: „JHWH Teil meines-Anteils meines-Bechers“; ähnlich Zeile 2: „Zieher meines-Lossteins“. Drei dieser Begriffe („Teil“, „Anteil“ und „Losstein“) stehen häufig außerdem speziell für das Land, dass nach atl. Vorstellung durch das Schicksal jmds Eigen geworden ist. Dies schwingt auch hier mindestens mit, wie V. 6 deutlich macht (vgl. auch die deutliche Parallele in Dtn 32,9).
Zieher meines Lossteins ist w. „Halter meines Lossteins“; „der, der meinen Losstein hält“ (mit fast allen Exegeten vokalisiert als tomech statt tomich). Der Losstein hat seinen Platz in der Mantik, also der Disziplin, mit diversen Hilfsmitteln das Schicksal eines Menschen oder den Willen von Göttern zu erfragen – hier also mithilfe von Steinchen. Dass JHWH das Los des Beters „hält“, meint also wohl, dass er es wirft (R-S: „Du wirfst mein Los“) – und dabei sozusagen mogelt, weil durch das Losewerfen ja ohnehin der Wille Gottes herauskommen wird –, dass er also das Geschick des Beters lenkt (ZÜR31: „Du lenkst mein Geschick“) und zugleich „erhält“, was ihm durch dieses Los beschieden wird. (Zurück zu v.5)
jwörtl.: „[...], du wirst nicht geben deinen Frommen, um zu sehen die Grube.“ (Zurück zu v.10)
kDas hebräische Wort bedeutet hier soviel wie "Ewigkeit, Dauer". In diesem Vers m.E. am besten adverbiell widergegeben: stets, allezeit, immerdar. (Zurück zu v.11)