Psalm 16

Aus Die Offene Bibel

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Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 16)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 16)

1 miktama von (für, über, nach Art von ) David.

Schütze mich, Gott,
denn ich berge mich bei dir (vertraue dir)!


2 Ich sage (du sagst)b zu (über) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,c
3 Zu den (über die) Heiligen,d die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,e die (meine) Herrlichen:d
Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“f
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10 Denn du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen, du wirst deinen Frommen nicht dem Sehen der Grube (des Grabes) hingebeng.
11 Du wirst mir kundtun (mich erkennen lassen) den Weg (Pfad) des Lebens; [eine] Fülle (Sättigung) der Freuden ist vor deinem Angesicht, Annehmlichkeiten (Freuden, Liebliches) in deiner Rechten allezeith.

Anmerkungen

amiktam - Unbekanntes Wort; daher meist mit dem Platzhalterbegriff „Lied“ übersetzt oder einfach transkribiert; für die LF ist wohl ersteres zu empfehlen.
Luther leitet das Wort ab von ketem („Gold“), daher die Üs. „gülden Kleinod“ in den Lutherbibeln. Das „Sühngedicht“ von B-R und Stier2 kommt von einer Ableitung von katam („bedecken“), das auch für das „Sühnen“ von Sünden stehen kann, die Üs. mit „Inschrift“ von BB orientiert sich an der Üs. von LXX (steleografia, „Inschrift“), für das auch die meisten Kommentare optieren, dem aber wohl eher miktab („Geschriebenes“) zugrundeliegt (Pietersma 2010, S. 524f.). Schon den Alten war das Wort unbekannt: Quinta und Sextra transkribieren als machtham, Aq, Sym, VUL, Raschi und andernorts Tg zerlegen das Wort in die Bestandteile mk und tm und übersetzen „vom demütigen und aufrechten David“. Ähnlich auch hier Tg, der das Wort wohl für eine Mischbildung aus miktab und tam hält: „Aufrechte Inschrift“. (Zurück zu v.1)
bTextkritik: Ich sage (du sagst) - Im Heb. auf den ersten Blick 2. Pers. fem. Sg., „du (fem.) sagst“ (amart) oder mit anderen Vokalen 2. Pers. mask. Sg., (amarta; so auch Craigie 1983; Franken 1954; Schedl 1964b; Tournay 2001; Jerusalemer Bibel). Das „Du sagst, meine Seele“ in ELB und SLT rührt von der sehr alten und veralteten Deutung (die sich auch schon im Tg findet) her, der Sprecher halte hier wie in Ps 42,6.12; 43,5; Jer 4,19 (ähnlich Klg 3,24f.) ein Zwiegespräch mit seiner Seele. Diese wäre dann aber wie dort sicher auch ausgedrückt. Die meisten Exegeten und fast alle Üss. gehen davon aus, dass hier entweder mit einem zusätzlichen Jod am Ende (das sich auch in einigen Handschriften findet) als 1. Pers. Sg. (amarti) gelesen werden müsste oder dass die Konsonanten auch so als defektive Schreibung von amarti verstanden werden können, da so auch LXX, Syr, VUL übersetzen: „ich sagte“. (Zurück zu v.2)
cTextkritik: Meist übersetzt à la „Über dich hinaus gibt es kein Lebensglück für mich“ (Weber 2001; zum Gedanken vgl. Ps 73,25). Doch hier steht bal („nicht“) nicht vor „Mein Lebensglück“, sondern vor „über dir/dich hinaus“, „Mein Lebensglück ist nicht über dich hinaus“. Hätte der Dichter schreiben wollen „Es gibt für mich kein Lebensglück über dich hinaus“, hätte er bal eher wie 2x in V. 4 und 1x in V. 8 an den Beginn des Satzes gestellt (bal tobati `alecha) oder ´ejn verwendet (tobati ´ejn `alecha). LXX und VUL übersetzen daher diesen Satz mit „meine Güter sind nicht auf dir“ (=„du bedarfst ihrer nicht“; zum Gedanken vgl. Ijob 22,2f; 35,7; Röm 11,35; so verstanden den Vers z.B. auch Luther und Calvin), Aq sogar mit „meine Güte ist keinesfalls auf dir“, was wohl wie bei Raschi verstanden werden muss als „meine moralische Gutheit ist nicht auf dir (=kann dich nicht zu etwas verpflichten) [weil sie deiner nicht würdig ist]“; ähnlich Kimchi: „Meine guten Werke erreichen dich nicht“. Sym, Tg Hier und wohl auch Syr schien ein anderer Text vorzuliegen, nämlich tobati bal bil`adecha, „Mein Wohlergehen [ist] nicht, außer durch dich“, also „einzig dank dir geht es mir gut“ (vgl. 2 Makk 1,25); mit z.B. Houbigant 1777, Bonkamp 1949, Herkenne 1936 und Kraus 1961 sollte man davon ausgehen, dass dies der ursprüngliche Text war. (Zurück zu v.2)
dHeilige, die Herrlichen - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. Ex 19,6; Dtn 33,3; Dan 7,21.25; Ps 34,10. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die Israeliten JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. würdige und mächtige Menschen bezeichnet (s. Ri 5,13: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); 2 Chr 23,20: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; Ps 136,18: „herrliche Könige“); und herrlich sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ qua „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.
Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an Ps 89,6-8; auch Dtn 33,2f.; Dan 4,5f..10.14f.20; Ijob 5,1; 15,15; Sach 14,5, wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.
Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.); ähnlich Calvin: „Aus dem selben Grund nennt der Psalmist sie herrlich bzw. würdig, weil uns nichts wertvoller sein sollte als Gerechtigkeit und Heiligkeit, in welchen die Helligkeit von Gottes Geist durchscheint – gerade so, wie wir im vorhergehenden Psalm aufgefordert werden, die zu preisen und zu ehren, die Gott fürchten.“ (nach Calvin 1845, S. 219). (zu v.3)
etFN: Diese, - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in Gen 9,3; Num 9,13; 35,31; Rut 4,15; Pred 4,2), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. Gen 17,12; Num 17,5; Dtn 17,15; 20,15; 1 Kön 9,20; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass hemmah ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das Waw („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein Waw explicativum („Diese, d.h. die Herrlichen“). (Zurück zu v.3)
ftFN: Zu Vv. 2-3: Ps 16,2-3 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch. Wegen vieler kleinerer Ambiguitäten lassen sich die Verse auf ganz verschiedene Weisen verstehen. Die wichtigsten Unsicherheiten sind, dass (1) die Präposition vor „JHWH“ und „die Heiligen“ in Vv. 2.3 sowohl als „zu“ als auch als „über“ verstanden werden können und zudem auch grammatische Subjekte besonders markieren können, dass (2) tub in V. 2 sowohl „Wohlergehen“ als auch „Glück“ bedeuten kann, dass (3) die „Heiligen“ sowohl Menschen als auch göttliche Wesen bezeichnen könnten und (4) die Bedeutung des Satzes in 4b. Unsicher ist außerdem (5) die Syntax von V. 4, da das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und V. 3 oder sogar V. 4 damit noch vom (6) ebenfalls unsicheren „Ich sag(t)e“ / „Du sag(te)st“ in V. 2 abhängen könnte oder nicht. Hinzu kommt noch (7), dass 3b auch ein unmarkierter Relativsatz sein könnte. Möglich wäre neben der obigen Auflösung (diese z.B. auch bei ALB, MEN) also z.B.:
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen –: Mein ganzes Wohlgefallen richtet sich auf sie. (z.B. LUT17)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“]. Was die Heiligen (Götter) betrifft, die im Lande sind – diese, (und) die Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: [V. 4]. (z.B. Ridderbos 1972, S. 157)
  • [Ich (du) sagt(e) zu JHWH: „...“], zu den Heiligen (Götter), die im Land sind – [zu] diesen, (und) den Herrlichen, auf die sich mein ganzes Wohlgefallen richtet: „[V. 4](z.B. Weber 2001, S. 96),
und viele Auflösungen mehr, zu denen noch weitere Üss. kommen, die auf einer Korrektur des heb. Textes basieren. Ein Beispiel für eine andere Auflösung, die den Sinn der Verse völlig verändern würde, ist die von Craigie 1983, Franken 1953, Tournay 2001 und der Jerusalemer Bibel (vgl. wichtig auch Mannati 1972), die amart in V. 2a als 2. Pers. verstehen, die „Heiligen“ als Ausdruck für Götter und 2b als gegensätzliche Aussage von 3b: „Ihr sagt zu Jahwe: ‚Mein Herr! / Du bist mein Glück, über dich geht nichts!‘; zu den ‚Heiligen‘, denen, die da auf Erden sind: / ‚Ihr Prächtigen mein! Bei euch ist mein ganzes Gefallen!‘“; der Psalmist zitierte dann also vorwurfsvoll synkretistische Gegner, die neben JHWH auch noch irdische „Götter“ anbeten. Will man bei der textkritischen Entscheidung zu 2b nicht mitgehen, wäre diese völlig andere Auflösung wohl die nächstwahrscheinlichere; will man die „Heiligen“ nicht als Götter verstehen, wieder eine andere mit sehr unterschiedlicher Bedeutung usw. – Vv. 2-3 sind und bleiben sehr unsicher. (Zurück zu v.3)
gwörtl.: „[...], du wirst nicht geben deinen Frommen, um zu sehen die Grube.“ (Zurück zu v.10)
hDas hebräische Wort bedeutet hier soviel wie "Ewigkeit, Dauer". In diesem Vers m.E. am besten adverbiell widergegeben: stets, allezeit, immerdar. (Zurück zu v.11)